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ARBEITSZEIT
Arbeitszeit ist definiert als die Zeit, in der ein Mensch einer Arbeit
nachgeht. Meist bezieht sich diese Bezeichnung auf eine entgeltliche Tätigkeit, die zur Sicherung des Lebensunterhalts dient.
Die Länge der Arbeitszeit regelt normalerweise ein Arbeitsvertrag,
der sich oft auf einen Tarifvertrag bzw. eine vergleichbare Regelung bezieht. Sie hat häufig direkten Einfluss auf die Berechnung der Entlohnung für die geleistete Arbeit. Die Rahmenbedingungen der
maximal erlaubten Arbeitszeit legen das Arbeitszeitgesetz und darauf basierend Tarifverträge bzw. Einzelvereinbarungen fest. Bei Beamten gelten Arbeitszeitverordnungen.
Historisches zur Arbeitszeit Den ersten Acht-Stunden-Arbeitstag (Werktag) Deutschlands praktizierte im Jahr 1868 erstmals ein US-amerikanischer Betrieb.
In Deutschland führte ihn die Firma Zeiss in Jena (Thüringen) 1900 - auf freiwilliger Basis - ein. Als erstes Land der Welt führte 1901 Australien den gesetzlichen Acht-Stunden-Arbeitstag ein,
Deutschland folgte 1918.
Arbeitszeitverlängerung Andererseits erhöhen Arbeitszeitverkürzungen die Lohnkosten, solange die Verkürzung der Arbeitszeit bei
Erhalt des Nettolohns nicht von einer entsprechenden Kürzung der Abgaben begleitet wird. Das gilt auch dann, wenn der Lohn im gleichen Maße sinkt wie die Arbeitszeit, weil Fixkosten wie die
Personalbearbeitung, Aus- und Weiterbildung auch bei kürzeren Arbeitszeiten gleich bleiben. Der andere (in der Regel größere) Teil der Fixkosten wie Maschinenwartung usw. ändert sich nicht. Außerdem wird
die Maschinenlaufzeit durch Arbeitszeitverlängerung weniger verlängert als durch Mehrschichtbetrieb, was kostentreibend wirkt wegen mehr notwendiger Arbeitsplätze. Weiterhin müssen die wenig genutzten
Maschinen oft schon zu einem Zeitpunkt durch neuentwickelte Maschinen mit wesentlich höherer Produktivität ersetzt werden, zu dem die alten wegen Maschinen noch funktionsfähig und nicht
abgeschrieben sind (das wird als moralischer Verschleiß bezeichnet).
Zur Überwindung von wirtschaftlichen Schwächeperioden werden in Deutschland Arbeitszeitverlängerungen
ohne Lohnausgleich gefordert. Der erhoffte betriebswirtschaftliche Effekt ist ein geringerer Stundenlohn und
damit verringerte Lohnstückkosten, die zu einer Zunahme erhöhten Arbeitsnachfrage führen sollen. Ebenfalls erhofft ist ein Sinken der Lohnstückkosten dadurch, dass ein Arbeitnehmer, welcher länger
arbeitet als vorher, produktiver ist (sowie das Kapital, mit dem er arbeitet).
Jedoch ist empirisch belegt, dass bei längerer Arbeitszeit die Produktivität sinkt -
Sachverständigengutachten 1983/84 Punkt 458. Durch niedrigere Lohnstückkosten können die Preise gesenkt werden, weshalb ein verbesserter Nachfrageeffekt innerhalb der Konsumgüternachfrage zu spüren
wäre. Erfahrungsgemäß haben niedrigere Lohnstückkosten durch längere Arbeitszeiten jedoch selten Auswirkungen auf den Endpreis, jedoch sehr (bei einem Aktienunternehmen) auf den Aktienkurs. Durch
das vergrößerte Angebot (welches man jetzt billiger anbieten kann) oder den höheren Gewinnen der Unternehmen (
wenn nur ein Teil der verringerten Personalstückkosten an die Preise weitergereicht wird)
steigt ebenfalls die Nachfrage bei den Investitionen.
Als zusätzlichen Effekt erhofft man sich eine bessere Nutzung des
sogenannten "Humankapitals" einer Gesellschaft. Man geht davon aus, dass ein Teil der bei Arbeitszeitverkürzung gewonnenen Freizeit für Arbeit im eigenen Haushalt (oder für Schwarzarbeit)
verwendet wird. Damit wird teilweise hochqualifizierte - und oftmals gefragte - Arbeitskraft vom Markt genommen und geringqualifzierte (z. B. der Informatiker, der seine Hecke schneidet) auf den Markt
gebracht.
Geht man davon aus, dass der Informatiker seine Hecke nicht selbst zu schneiden braucht, würde hier die
Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter steigen, während in anderen Qualifikationsgruppen Arbeitskräfte gesucht werden. Tatsächlich vernachlässigt diese Argumentation jedoch die Möglichkeit, dass der
Informatiker die Hecke als Ausgleich zu seiner beruflichen Arbeit schneiden könnte.
Dem entgegen steht eine Ausweitung des Arbeitsangebotes (siehe oben). Welcher der beiden Effekte
überwiegt - der Rückgang des Arbeitsangebotes durch kürzere oder die Zunahme der Arbeitsnachfrage durch längere Arbeitszeiten, ist umstritten.
Arbeitszeitflexibilisierung
Zusätzlich wird auch immer wieder über Arbeitszeitflexibilisierungen diskutiert, die vom Modell der Regelarbeitszeit abweichen. Damit sind verschiedene Modelle gemeint wie Jahresarbeitszeit,
Arbeitszeitkonten, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Halbtagsarbeit, Arbeitsplatzteilung, Lebensarbeitszeitkonto, Modulare Arbeitszeit, Telearbeit, Zeitautonome Arbeitsgruppen, Arbeit auf Abruf,
Individuelle Arbeitszeit und Sabbatical.
Bei der Berechnung des Arbeitslohnes werden unterschiedliche Modelle zu Grunde gelegt. Es gibt
Arbeitsverhältnisse, in denen nur die jeweiligen Arbeitsstunden entlohnt werden und andere, bei denen eine feste monatliche Grundvergütung unabhängig der von der Anzahl der Arbeitstage abhängigen
Anwesenheitszeit gezahlt wird. Insgesamt gesehen, erleichtert eine geringere tatsächliche Wochenarbeitszeit die Flexibilisierung erheblich, da auf mehr Freizeiträume zurückgegriffen werden kann.
Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen hängen sehr stark von konkreten Spielregeln (z. B. Ankündigungsfristen von Veränderungen), vom Umfeld (z. B. Verkehr, Kinderbetreuung) und davon ab, ob
Beschäftigte selbst relevanten Einfluss auf die Festlegung der Zeiten haben.
Die konkreten Formen und die Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle unterscheiden sich sehr stark von Land zu Land.
Die "Atmende Fabrik" bezeichnet in diesem Zusammenhang ein sehr flexibles (produktionsorientiertes)
Unternehmen, das eine gute Reaktionsfähigkeit gegenüber der Auftragslage aufweist. So ist es dem Unternehmen möglich, durch flexible Arbeitsverträge bei einer hohen Nachfrage mehr zu produzieren, im
anderen Fall weniger. Erreicht wird das beispielsweise durch zusätzliche Schichten oder Arbeit an Sonn- bzw. Feiertagen.
Arbeitszeittrend
Mit Ausnahme der vergangenen 10 Jahre ist in Europa ein Trend zu kürzeren Arbeitszeiten festzustellen (u
. a. in Teilzeit). Auch langfristig wird aufgrund des technischen Fortschritts mit weiter sinkenden, aber flexibleren Arbeitszeiten gerechnet.
In makroökonomischen Berechnungen wird die Freizeit oft als kaufbares Gut behandelt und eine Nutzensfunktion zwischen viel Freizeit und mehr Einkommen durch längere Arbeitszeit gebildet. Im
Rahmen dieser Betrachtung wird mit dem durch den Produktionszuwachs gewonnenen Einkommen - volkswirtschaftlich gesprochen durch den Verzicht auf Lohnerhöhungen - Freizeit gekauft.
Von Arbeitgeberseite wird Anstieg der Arbeitszeit als sinnvoll oder sogar unumgänglich angesehen.
Eine Arbeitszeitverkürzung ist in der Vorstellung vieler untrennbar mit einer Reallohnkürzung verbunden.
Das ist zwar individuell richtig, weil jemand der im Vergleich zu anderen weniger arbeitet, auch weniger
verdienen sollte - aber für die Gesamtheit der Beschäftigten falsch, denn wenn alle mehr produzieren,
können auch alle mehr verbrauchen. Zitat: "Aus der Sicht unserer Urgroßväter arbeiten wir also Teilzeit bei
10-fachem Lohnausgleich" oder "Tatsache ist, dass sich das Arbeitsvolumen, das heißt, die Zahl der
effektiv geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung von 1900 bis zum Jahr 2000 recht genau
halbiert hat. ... Richtig ist, dass heute - jedoch aufgrund des Produktivitäts-Fortschritts - pro Kopf der
Bevölkerung die sechsfache Menge an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet wird wie vor 100 Jahren." Und nicht nur erwirtschaftet, sondern auch verbraucht wird.
Lebensarbeitszeit
Die Lebensarbeitszeit dürfte indifferent sein. Trotz relativer Zunahme der Rentner (wegen wenigen Kindern
und gestiegener Lebenserwartung) kann der Lebensstandard aller (Rentner und Beschäftigte) steigen, da die Produktivität im Laufe der Jahre gewaltig steigt. Das hat schon 1955 der Vater des Rentensystems
Deutschland, Wilfrid Schreiber, erkannt. Bei den Abgaben wirkt sich das so aus, dass die relativen Abgaben langsam steigen - aber von dem verbleibenden Nettolohn können die Beschäftigten immer mehr
kaufen, weil die Produktivität steigt.
Auf der anderen Seite steigt nicht nur die Lebenserwartung der Rentner, sondern auch deren Rüstigkeit, so
dass immer mehr Rentner nicht aus dem Berufsleben ausscheiden möchten. Da aber die Produktivität schneller steigt als die Kaufwünsche wachsen (was sich darin ausdrückt, dass mehr gespart wird statt
entsprechend mehr zu kaufen), muss die individuelle Arbeitszeit genau wie bisher weiter sinken (von 3000 h/Jahr um 1900 auf unter 1400 h/Jahr heute).
In den 1970er bis 1990er Jahren war versucht worden, über eine niedrige Lebensarbeitszeit (also einen
vorgezogenen Rentenbeginn) die Arbeitslosigkeit abzubauen. Da das jetzt kaum noch gemacht wird, steigt
die Arbeitslosigkeit und die mangelnde Kaufkraft von Rentnern und Arbeitslosen erhöht die Arbeitslosigkeit.
In Relation zur Gesamtlebenszeit ist jedoch auch die Lebensarbeitszeit in den vergangenen Jahrzehnten gesunken. So lag bei Einführung der Rentenversicherung die Lebenserwartung eines 20-jährigen bei rund
58 Jahren, so dass der „Durchschnittsbürger“ das Renteneintrittsalter nicht erlebte (es lag damals zudem
noch bei 70 Jahren). Heute (2007) kann ein durchschnittlicher 20-jähriger Mann hoffen, noch rund weitere
58 Jahre zu leben (also 78 Jahre alt zu werden). Für Frauen liegt diese Zahl sogar noch höher. Selbst bei
einem erwarteten Anstieg der Lebenserwartung um zwei Jahre in Deutschland ist der Anteil der Arbeitszeit an der Gesamtlebenszeit somit gesunken.
Schichtarbeit
Schichtarbeit zeichnet aus, dass mehrere Personen zu unterschiedlichen Zeiten am gleichen Arbeitsplatz oder an der gleiche Arbeitsaufgabe arbeiten (z. B. in der Frühe und am Abend) oder Personen zu sehr
ungewöhnlichen Zeiten arbeiten (z. B. primär in der Nacht). Schichtarbeit führt zu erhöhter physischer und
psychosozialer Belastung und bringt auch höhere Fehler- und Unfallrisiken mit sich. Die Verbreitung von Schichtarbeit ist von Land zu Land sehr unterschiedlich.
Im alten BAT war zusätzlich noch eine Definition der Wechselschichtarbeit enthalten.
Arbeitszeit - Situation in Deutschland
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts war in Deutschland eine stetige Verkürzung der Wochenarbeitszeit zu beobachten:
1900 10-Stunden-Arbeitstag/6-Tage-Woche
1918/19 8-Stunden-Arbeitstag gesetzlich eingeführt 1955/56 5-Tage-Woche schrittweise eingeführt 1965 40-Stunden-Woche eingeführt 1990 35-Stunden-Woche schrittweise eingeführt
Mit 40,9 Arbeitsstunden pro Woche liegt Deutschland heute über dem europäischen Durchschnitt von 39,1 Stunden. Es sind allerdings verschiedene Zahlen im Umlauf. So kam die EU-Kommission in einer
Stichprobe auf 39,9 Stunden pro Woche und einen europäischen Durchschnitt von 40,0 Stunden. Link
Bei der Urlaubszeit liegt Deutschland mit 29,1 Tagen im Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt (25,9 Tage). Hingegen entfielen zwischen 2000 und 2002 auf 1000 Arbeitnehmer nur 10 Streiktage. Damit liegt
Deutschland in dem Drittel der EU-Länder, in denen am wenigsten gestreikt wird; in Spanien streikten die Arbeitnehmer im selben Zeitraum 489 Tage lang, in Italien 433 Quelle: DIW. In Deutschland ist die
durchschnittliche Arbeitszeit durch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt.
In einigen Branchen werden in Deutschland die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Arbeitszeit häufig
gebrochen. Ein Beispiel ist die Speditions-Branche, in der mitunter über 70 Stunden pro Woche gearbeitet wird.
Jahresarbeitszeit und Arbeitsvolumen seit 1960
Jahresarbeitszeit ist die Summe aller Arbeitsstunden eines Mitarbeiters während eines Jahres. Wird ein
Arbeitszeitkonto geführt, können Mitarbeiter die Jahresarbeitszeit ableisten, je nachdem wie viel Arbeit im Betrieb anfällt. Durch den Wegfall von Überstundenzuschlägen können Betriebe Kosten senken
(betriebliche Kostensenkung bedeutet zugleich gesamtwirtschaftlich eine Senkung der Konsumnachfrage). Jahresarbeitszeitkonten eignen sich besonders für Branchen mit starken saisonalen Schwankungen,
beispielsweise das Bau- und Ausbaugewerbe.
ARBEITSZEIT
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