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GESAMTSCHULE
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Die Gesamtschule ist eine Form der Schule, bei der die Differenzierung in die Schule verlagert
wird und nicht mehr zwischen verschiedenen Schulformen besteht.
Die Gesamtschule in Deutschland ist eine Form der weiterführenden Schule aus dem jahre 1973,
die Kinder nach der Grundschule mindestens bis zur 10. Klasse besuchen können. Sie ist in mehreren Bundesländern eine Alternative zum traditionellen dreigliedrigen Schulsystem (mit
Hauptschule, Realschule, Gymnasium) geworden. Der wesentliche Unterschied zum herkömmlichen Schulsystem besteht darin, dass bei der Gesamtschule die Differenzierung in die Schule
verlagert wird und nicht mehr zwischen verschiedenen Schulformen besteht. Nach der 10. Klasse kann an die Gesamtschule an eine gymnasiale Oberstufe anschließen, während ein
Teil der Schüler in berufliche Ausbildungsgänge außerhalb der Gesamtschule wechselt.
Wird die Gesamtschule nicht neben dem dreigliedrigen Schulsystem, sondern als alleinige
Schulform mindestens bis zur 9. Klasse etabliert, wird im 20. Jahrhundert meist nicht von "Gesamtschule", sondern von Einheitsschule gesprochen. Im Rahmen der Bestrebungen, nach
PISA das Schulsystem effektiver zu gestalten, wird diskutiert, die Grundschulzeit auf sechs Jahre zu verlängern und diese Schule dann Gemeinschaftsschule zu nennen.
Ziele der Gesamtschule
Gesellschaftspolitisch soll das Konzept der Gesamtschule, verstärkt als Ganztagsschule, einer Entwicklung entgegen wirken, in der sich Schüler aus
unterschiedlich sozialisierten Gesellschaftsgruppen (z. B. Akademiker, Arbeiter etc.) frühzeitig fremd werden. Heranwachsende mit schwachen Leistungen lernen mit und
von leistungsmäßig besseren Schülern – und alle gemeinsam lernen, mit Mitmenschen aus allen Schichten umzugehen und diese bei Bedarf auch anzuleiten. Dieses Ziel
wurde jedoch bisher nur ansatzweise erreicht, da die Gesamtschule zum einen mit dem mehrgliedrigen Schulsystem konkurriert und zum anderen die schichtspezifische
Zusammensetzung einer Schulklasse sehr von der Struktur des Einzugsgebietes der Schule (Arbeitersiedlung, wohlhabender Vorort etc.) abhängt.
Ein politisches Ziel der Gesamtschule ist es, möglichst vielen Schülern einen höheren Bildungsabschluss zu ermöglichen. Kritiker wenden allerdings ein, dies gehe häufig mit
einer Reduzierung des Niveaus einher.
Deutlich zu sagen ist, dass die Schulform der Gesamtschule besondere didaktische Kompetenzen der Lehrer erfordert: Denn wenn eine äußere Differenzierung nach
Leistung entfällt, muss sich der Unterricht weitaus stärker am Prinzip der Binnendifferenzierung ausrichten.
Einige Länder, wie das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen, haben außerdem
an vielen Gesamtschulen des Landes Schulsozialarbeit installiert. Diese und andere Unterstützungen in der Ausstattung von Gesamtschulen sollen die besonderen
Umfeldprobleme dieser Schulart auffangen helfen. Schulsozialarbeiter sind aber auch an anderen Schulformen tätig.
Aufbau der Gesamtschule
Stellung der Gesamtschule im deutschen Bildungssystem Unterschieden werden integrierte Gesamtschulen und kooperative Gesamtschulen. In
der integrierten Gesamtschule werden die Schüler nur in einzelnen Fächern nach Leistung und Anforderungen in verschiedene Kurse aufgeteilt. In der kooperativen
Gesamtschule gibt es nebeneinander Klassen des Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweiges. Lediglich einzelne Fächer wie Sport werden gemeinsam unterrichtet.
In Deutschland ist die Gesamtschule neben dem Gymnasium die einzige Schulform, die Kinder und Jugendliche in der Sekundarstufe I und Sekundarstufe II durchgehend
besuchen können, wenn die örtliche Gesamtschule über eine gymnasiale Oberstufe verfügt.
Kritik an dem System der Gesamtschule
Die Kritik am vertikal gegliederten Schulsystem der Bundesrepublik und die positiven Erfahrungen mit ausländischen Schulreformen, vor allem in England und Schweden,
führten zur Wiederaufnahme der Diskussion. Zugleich war der Blick auf die Schulsysteme in den USA, der Sowjetunion und der DDR gerichtet. Nicht nur eine
Veränderung der Struktur des Schulsystems, sondern auch der Unterrichtsorganisation, der Unterrichtsmethoden sowie der Bildungsziele und -inhalte wurden gefordert. Die
Reformwünsche zielten einerseits auf mehr Modernisierung, andererseits auf mehr soziale Gerechtigkeit. Integration benachteiligter Gruppen anstatt „Aussonderung“ war das Ziel.
Der Deutsche Bildungsrat forderte die Einrichtung von Schulversuchen mit Gesamtschulen, um die anstehenden gesellschaftspolitischen Entscheidungen über die
Strukturveränderungen der Schule auf wissenschaftlich begleitete und kontrollierte Versuche stützen zu können. In Deutschland wurden staatliche Gesamtschulen ab 1967
im sauerländischen Kierspe, ab 1968 in West-Berlin und seit den 1970er Jahren in den meisten Bundesländern eingerichtet.
Wurde anfangs der Beschluss des Bildungsrates auch von CDU-Politikern mitgetragen, so kam es in den folgenden Jahren doch zu einem "Schulkampf" zwischen CDU und
SPD. Dies hatte mit der zeitgleichen Machtverschiebung im Bund und den Ländern zugunsten der SPD zu tun. Diese Partei machte in der 1970er Jahren die
Gesamtschule zum schulreformerischen Kernstück ihrer Politik. Daraufhin expandierte die Gesamtschule, was in Gymnasien und – nicht nur bei konservativen Politikern – auf Ablehnung stieß.
Ein Höhepunkt dieses Konfliktes war 1978 der Versuch der SPD/FDP-Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die Gesamtschule flächendeckend
einzuführen. Die oppositionelle CDU, die Mehrzahl von Lehrer- und Elternverbänden sowie die Kirchen veranstalteten Großkundgebungen und Flugblattaktionen. Es bildete
sich die Initiative „Stoppt das Schulchaos“, die vom 16. Februar bis 1. März 1978 mehr als 3,6 Millionen Unterschriften gegen die kooperative Gesamtschule sammelte und so
die erforderliche 20-Prozent-Hürde für ein Volksbegehren weit übertraf[1]. Das neue Schulgesetz wurde so verhindert.
Gesamtschule - Fazit
Vorgesehen wurde 1972, nach 10 Versuchsjahren zu entscheiden, ob die Gesamtschule das bessere Konzept sei: Im positiven Fall sollte sie als alleinige
Schulform eingeführt werden. Die Bewertung blieb jedoch strittig. 1982 endete der Schulversuch Gesamtschule. Je nach parteipolitischer Ausrichtung der Regierung der
einzelnen Bundesländer wurden diese Versuche als hochgradig erfolgreich angesehen oder für gescheitert erklärt. Hier drei Beispiele: Berlin baute die Gesamtschule zur Regelschule aus, Bayern löste
fast alle Gesamtschulen bis 1993 wieder auf und Nordrhein-Westfalen entwickelte danach eine gemischte Schullandschaft, in der ein dreigliedriges System neben vielen Gesamtschulen existiert.
Konzeptionell als Alternative zum dreigliedrigen System gedacht, konkurriert die Gesamtschule aber gegenwärtig mit den anderen Schulformen, mit den Gymnasien um
den Abschluss Abitur sowie vor allem mit Hauptschulen bei der Rekrutierung von neuen Schülern. Der ursprünglich beabsichtigte sozialpolitische Effekt (Motto: „Miteinander
und voneinander lernen, um miteinander leben zu lernen“) kann so heute nicht mehr erreicht werden.
Die Schülerschaft vieler Gesamtschulen spiegelt nicht das gesamte Leistungsspektrum
eines Jahrgangs wider, weil die leistungsstärkeren Kinder zunächst nach der Klasse 4 an die Gymnasien wechseln. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung kam zu
dem Fazit, dass die Leistungen an den Gesamtschulen deutlich schlechter sind als an Gymnasien. Dies hat jedoch nicht zwingend mit einem schlechterem Konzept zu tun, sondern
vielmehr damit, dass Gesamtschulen auch von Schülern mit Hauptschulempfehlungen besucht werden. In manchen Bundesländern ist den Gesamtschulen die Aufnahme von
Kindern aller Leistungsstufen nach einer bestimmten Quotenvorgabe vorgeschrieben. Des Weiteren müssen sie die Bevölkerungsstruktur des Einzugsgebietes
(Ausländeranteil) widerspiegeln und bis zu 15 % „Sonderfälle mit schwierigem Lebenshintergrund“ aufnehmen. Allein die Gesamtschulen haben diese strikte Vorgabe
, was bei jedem Vergleich mit den anderen Schulen zu beachten ist. Es wird jedoch berichtet, dass einige Gesamtschulen gegen diese Vorgabe verstoßen. So würde etwa
die Helene-Lange-Schule (Wiesbaden) Kinder mit Gymnasialempfehlung bevorzugen.[2] Auch berichtete der Bildungsforscher Frank-Olaf Radtke, dass die Schule Kinder mit
Migrationshintergrund benachteilige. Sie versuche den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in ihren Klassen möglichst gering zu halten. Die Schule verfolge
eine "Creaming-Strategie", Frei übersetzt heißt das: Sie pickt sich die Rosinen heraus. Wenn die Plätze knapp sind, würden solche Schüler ausgewählt, mit denen man
erwartet, in Konkurrenz zu den Gymnasien erfolgreich arbeiten zu können.
Gesamtschulen werden mancherorts weniger aus pädagogischen Gründen als aus
kommunalpolitischen und demografischen errichtet: Die Unterhaltung eines gemeinsamen Schulzentrums erscheint gerade kleineren Gemeinden als eine
kostengünstige Alternative zum traditionellen System. Der Rückgang der Schülerzahlen erlaubt nicht mehr die Verteilung auf mehrere Schulformen, um ein wohnortnahes
Schulangebot zu erhalten. In einer kooperativen (auch additiven) Gesamtschule wird die Zwei- oder Dreigliedrigkeit des Schulsystems nicht aufgehoben. Man erhofft sich
vorrangig Synergieeffekte durch diese räumliche oder organisatorische Zusammenlegung. Die ursprüngliche Form des Unterrichtes (Gemeinsames Lernen) von Gesamtschule wird hierbei um mehrere Jahre verkürzt.
Aktuelle Entwicklungen in der Gesamtschule 1982 wurde eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz getroffen, welche die
gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse gewährleistet, d. h. dass Gesamtschulabschlüsse auch in Bundesländern anerkannt werden, die das Modell
Gesamtschule nicht fortgeführt haben (z. B. Bayern). Dies gilt auch für das Abitur an Gesamtschulen. Die Länder, die diese Schulform ablehnen, fürchteten, die für das
dreigliedrige System geltenden Niveaus könnten unterlaufen werden. Lernziele und Lerninhalte müssen laut KMK-Vereinbarung den jeweiligen Anforderungen des nach
Schularten gegliederten Schulwesens entsprechen. Eine Folge davon ist, dass Gesamtschulen gezwungen sind, ab der 7. Klasse unterschiedliche Niveaugruppen
einzurichten mit einer Leistungsdifferenzierung in Deutsch, Englisch und Mathematik, die mit der 2. Fremdsprache zusammen gut die Hälfte der Unterrichtszeit ausmachen.
Damit war die ursprüngliche Gesamtschulidee kaum noch zu erkennen.
Zu einer Neuauflage der Gesamtschuldiskussion kam es Anfang der 1990-er Jahre im
Rahmen der deutschen Wiedervereinigung. Während westdeutsche Gesamtschulbefürworter hofften, die bereits vorhandenen Einheitsschulen der DDR in
Gesamtschulen umzuwandeln, forderten Teile der ostdeutschen Bevölkerung das dreigliedrige Schulsystem. Die Einheitsschule der DDR beruhte also nicht auf einer
einhelligen Zustimmung. So kam es nur in Brandenburg in Folge der Landespartnerschaft mit dem von der SPD regierten Nordrhein-Westfalen zu einer quantitativ bedeutsamen Einführung der Gesamtschule.
Weitgehend unbemerkt von der westdeutschen Öffentlichkeit haben Sachsen und Thüringen nach der Wende 1990 ein zweigliedriges Schulsystem eingeführt, in dem
Haupt- und Realschulen zusammengelegt werden als Mittelschule bzw. als Regelschule. Mecklenburg-Vorpommern hat dies später ebenso gemacht unter der Bezeichnung
Regionale Schule, Brandenburg unter der Bezeichnung "Oberschule". Im Saarland ist als erstem westdeutschen Bundesland die Hauptschule abgeschafft worden. Auch
Hamburg wird mit Stadtteilschulen statt Haupt- und Realschulen 2009 ein zweigliedriges System einführen, in das auch die bestehenden Gesamtschulen
eingehen sollen. Allerdings bleibt es bei den drei traditionellen Abschlüssen und eigenständigen Gymnasien. Bayern hat dagegen am 1. August 2000, nach Erprobung
der Methode, noch den jahrzehntelang üblichen gemeinsamen Unterricht von Haupt- und Realschülern in der 5. und 6. Klasse abgeschafft.
In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern besteht außerdem in der 5. und 6. Klasse eine gesamtschulartige Orientierungsstufe, in der die Kinder zusammen
unterrichtet werden. Die Ausnahmen für die Einrichtung von 5. Klassen an Gymnasien sind selten. Niedersachsen hat dagegen die in den 1970er Jahren eingeführte
gemeinsame Orientierungsstufe unter Kultusminister Busemann (CDU) wieder abgeschafft, Bremen folgte unter der Großen Koalition 2005.
Auftrieb erhielt die Diskussion um die Leistungsfähigkeit dieser Schulform, als die PISA-Werte 2000/2003 für deutsche Gesamtschulen deutlich schlechter ausfielen als
etwa von Realschulen. Dem kann entgegengehalten werden, dass mit die besten PISA-Werte auch an einigen deutschen Gesamtschulen erreicht wurden (z. B. Helene-Lange
-Schule (Wiesbaden) oder an der Laborschule Bielefeld. Umgekehrt gibt es Untersuchungen, die den deutschen Gesamtschulen eine bessere Förderung von
schwachen Schülern als im gegliederten System bescheinigen.[4] In den Gesamtschulen wird seit PISA stärker über effizienten und nachhaltigen Unterricht
nachgedacht, zumal viele Bundesländer zum Zentralabitur übergehen, das alle Schulformen mit gleichen Aufgaben überprüft.
Einen neuen Anlauf zur Steigerung der Schülerleistungen bedeutet die Einführung der nationalen Bildungsstandards für den mittleren Abschluss in den Fächern Deutsch,
Englisch und Mathematik sowie den Naturwissenschaften in 2004 und 2005. Ihre Einhaltung soll über Vergleichsarbeiten, die in allen Schulformen gleich sind, überprüft
werden. Viele Schulen müssen sich jetzt einem Vergleich mit anderen stellen.
Ein weiterer Fokus der aktuellen Diskussion liegt auf dem hohen Anteil ausländischer
Schüler zumindest an Berliner und westdeutschen Gesamtschulen in Ballungszentren. Viele deutschsprachige Eltern fürchten, dass ihre Kinder sprachlich zu wenig gefördert
werden können, und weichen deshalb in das gegliederte System aus. Dabei meiden sie neben den Gesamt- auch und vor allem die Hauptschulen.
Gegenwärtige Gesamtschulkonzepte
Deutsche Gesamtschulen (in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Schleswig-Holstein: "Integrierte Gesamtschulen") unterrichten
Kinder und Jugendliche zunächst unabhängig vom Leistungsstand in sehr heterogenen Klassen: Beginnend mit Klasse 7 werden in den Kernfächern (Deutsch, Englisch,
Mathematik) Differenzierungskurse (sog. Erweiterungs- und Grundkurse-Kurse / E- bzw. G-Kurs) eingerichtet. In welchen weiteren Fächern die Kurse eingerichtet werden,
entscheidet jeweils die Schulkonferenz. Manche Gesamtschulen haben zudem ab Klasse 9 eine Profilbildung eingeführt. Sie bilden organisatorisch neue Klassen nach
der Anzahl der E-Kurse, die die Jugendlichen zu diesem Zeitpunkt belegt haben. Berücksichtigt werden zudem auch die Talente sowie bestehende Freundschaften.
Um feste Bezugspersonen für die Schüler zu gewähren, wird an manchen Gesamtschulen das "Team-Kleingruppen-Modell" praktiziert, bei dem ein fester Stamm
von Lehrkräften die eine Klasse über mehrere Jahre begleitet.
Mit diesen konzeptionellen Erweiterungen der ursprünglichen Gesamtschulidee
reagieren sie auf die sich verändernde Arbeitsmarktsituation und die neuen Lebensbedingungen der Jugendlichen. Angeboten wird mehr Ganztagsförderung, und
dies in Lerngruppen, die eine Binnendifferenzierung noch erfolgversprechend machen. Ab Klasse 9 zeigen sich in der Praxis so große Leistungsunterschiede, dass eine
sinnvolle Binnendifferenzierung kaum noch planbar ist. Erst hier trennt die Gesamtschule die Jugendlichen – so wie es in den Schulen der meisten Nachbarländer geschieht.
GESAMTSCHULE
Der Artikel über Gesamtschule basiert auf dem Artikel Gesamtschule aus der freien Enzyklopädie Wikipedia In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
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