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Aktualisiert: 15.05.2012












































 

ZEUGNISCODE

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Der Zeugniscode
Die meisten Arbeitszeugnisse, das haben empirische Untersuchungen ergeben, enthalten eine „Endbeurteilung“ der Leistung. Viele Arbeitgeber verwenden dazu bestimmte Redewendungen und Floskeln, die man zusammenfassend als „Zeugnis-Code“ (verschlüsselte Leistungsbewertungen) bezeichnet. Es handelt sich um Formulierungen, die sich an den Schulnoten orientieren, aber sehr viel positiver klingen:

Sehr gut = stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt
Gut = stets zu unserer vollen Zufriedenheit oder zu unserer vollsten Zufriedenheit (ohne stets)
Befriedigend = zu unserer vollen Zufriedenheit
Ausreichend = zu unserer Zufriedenheit
Mangelhaft = hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden
Es haben sich inzwischen auch andere Standardformulierungen eingebürgert:

Sehr gut = hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und in besonderer Weise entsprochen oder ihre Leistungen haben unsere besondere Anerkennung gefunden
Gut = mit den Arbeitsergebnissen waren wir stets vollauf zufrieden
Befriedigend = hat unseren Erwartungen voll entsprochen
Ausreichend = hat unseren Erwartungen entsprochen
Mangelhaft = hat im Großen und Ganzen unsere Erwartungen erfüllt


Zeugnissprache
Die meisten Zeugnisse enthalten eine Gesamtbeurteilung nach obigem Code. Es gibt auch Firmen, die eine solche Beurteilung in einer offenen Sprache formulieren: Sehr gut – gut – befriedigend. Häusermann und List (siehe Literatur) plädieren für eine offene, nicht codierte Sprache. Häusermann empfiehlt, in die Zeugnisse diesen Text zu schreiben: „Die Firma XYZ bekennt sich zu Abfassung uncodierter, transparenter Zeugnisaussagen.“

Manche Autoren (Weuster, Knobbe, Bakker) gehen davon aus, dass es eine eigenständige, verschlüsselte Zeugnissprache gebe, die angeblich viele Zeugnisaussteller kennen und verwenden. Zu dieser verklausulierten Sprache gehören auch bestimmte Techniken der „Formulierungskunst“, wie beispielsweise die Reihenfolge- und die Negationstechnik. Wenn etwa bei der sogenannten Reihenfolgetechnik bei der Beurteilung des Sozialverhaltens in der Aufzählung Vorgesetzter, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden der Vorgesetzte nicht zuerst genannt, wird, ist es kein gutes Zeugnis (Das ist schon deshalb problematisch, weil eigentlich der Kunde zuerst kommt). Bei der Negationstechnik, so Weuster, enthält die Formulierung eine verschlüsselte Botschaft. Ein „nicht unbedeutender Umsatz“ heißt: „auch nicht bedeutend“ oder ein „tadelloses Verhalten“ bedeutet, dass es nicht lobenswert sei.

 

Solch verschlüsselte Formulierungen kommen in der Praxis gelegentlich zwar vor, sind aber seit 2003 durch das gesetzliche Klarheits-Gebot nicht mehr zulässig.


Sprachliche Brückentechnik + / - / + im Zeugniscode
Die sprachliche Brückentechnik ist notwendig beim Verfassen schwieriger, anspruchsvoller Arbeitszeugnisse. In solchen Fällen müssen signifikant ausgefallene Negativvorkommnisse bearbeitet werden. In der Schweiz ist es juristisch nicht statthaft, den gesetzlichen Auftrag zu negieren und bei schlechten Leistungen oder schlechtem Verhalten einfach nichts zu sagen. Eine solche Auslassung ist nicht korrekt und öffnet der Spekulation Tür und Tor. Damit wird hintenrum spekuliert und der davon betroffene Arbeitnehmer kann sich nicht dagegen wehren.

Die sprachliche Brückentechnik bedient sich verschiedenster Füllwörter und vermeidet Killerwörter.


Füllwörter / Zeugniscode
Ausgehend von der Überlegung, dass es niemandem hilft, ungenügende Leistungen oder schlechtes Benehmen zu brandmarken, ist die sprachliche Brückentechnik Teil der anzuwendenden notwendigen Technik bei der Abfassung uncodierter, transparenter Arbeitszeugnisse. + / - / + bedeutet, dass sich Arbeitgeber, auch wenn es noch so schwierig erscheinen mag, in erster Linie bewusst auf positive Qualifikationsmerkmale konzentrieren. Signifikant auswirkende Negativpunkte werden anschließend in einer moderaten Sprache klar und eindeutig angesprochen. Die angewandte Brückentechnik besteht darin, dass ein fairer Ausweg aus der unerfreulichen Situation gefunden wird. Am besten geht man mit relativierenden Aussagen und Erklärungen vor. Relativierend kommt von Relation. Relation bedeutet Bezug. Es muss also ein weiterer Bezug genannt werden, damit der (zu) harten Aussage die negative Spitze genommen wird. Die im deutschen Sprachunterricht verpönten Füllwörter wie noch, noch nicht, nicht immer, nicht ganz, noch nicht immer vollumfänglich, manchmal, hin und wieder, öfters, gelegentlich, vielleicht oder auch im Grossen und Ganzen erhalten bei der Anwendung der sprachlichen Brückentechnik eine ganz neue Dimension.

Beispiel der sprachlichen Brückentechnik + / - / +

(+) Herr Dubois war ein sehr höflicher, aufmerksamer und angenehmer Angestellter, dessen Verhalten jederzeit korrekt, zuvorkommend und in jeder Beziehung einwandfrei war. Seine Arbeitsleistungen waren im Grossen und Ganzen sehr gut. (-) Manchmal hätten wir uns gewünscht, dass es Herrn Dubois vermehrt gelungen wäre, der hohen Erwartungshaltung unserer französisch sprechenden Kundschaft noch besser zu entsprechen. (+) Die von Herrn Dubois eingeleiteten Ausbildungsmassnahmen und seine Entscheidung zur Neuorientierung stimmen uns zuversichtlich, dass er diese heute noch bestehende Einschränkung überwinden wird. Wir danken ihm für seine Mitarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

Kommentar zu obigem Beispiel

Auch wenn ein Arbeitnehmer den schön französisch klingenden Namen Jean-Pierre Dubois trägt, besteht noch keine Gewähr, dass dieser Herr Dubois auch wirklich gut französisch spricht. Mit einem uncodierten, transparenten Arbeitszeugnis wird Herr Dubois gezwungen, endlich etwas für ein besseres Französisch zu unternehmen. Französisch ist lernbar. Einen entsprechenden Sprachaufenthalt in einem französisch sprechenden Gebiet oder anderweitige Bemühungen kann er später gut begründen und sich als flexibel und lernfähig darstellen. Das Wichtigste aber ist, dass Herr Dubois keinen weiteren Arbeitgeber mit seinem französischen Namen blenden wird. Damit verhält sich unser Herr Dubois auf dem Arbeitsmarkt kongruent zu seinem Arbeitszeugnis.

Mit der Empfehlung (Gütesiegel): "Die Firma XYZ bekennt sich zur Abfassung uncodierter, transparenter Zeugnisaussagen" ist nur ein Schritt getan. Weit wichtiger ist es, dass Arbeitgeber die sprachliche Brückentechnik anwenden. Die klare, unmissverständliche Zeugnissprache zwingt den Zeugnishalter, zuerst bei sich selber anzufangen und aktiv zu werden. In der Schweiz wird diese sprachliche Brückentechnik auch von der juristischen Lehrmeinung her gefördert, gilt doch in diesem Land seit Jahrzehnten die Lehrmeinung und Gerichtspraxis: Wahrheit vor Wohlwollen...


Killerwörter als Zeugniscode
Füllwörter dämpfen hart ausgesprochene, negative Aussagen ab und wirken sich positiv auf die geäußerten Qualifikationen aus. Killerwörter aber verstärken negative Aussagen in Arbeitszeugnissen. Killerwörter sind Worte und Ausdrücke, die eine eingeschlagene negative Aussage unterstreichen. Es ist sehr bedeutungsvoll, ob man von gesundheitlichen Problemen spricht oder einfach nur von gesundheitlichen Einschränkungen. Darum wird davor gewarnt, nachfolgende Worte in Arbeitszeugnissen zu verwenden:

Ausdrücke wie Probleme, Fehler, Mängel, Flüchtigkeitsfehler, Schwierigkeiten und Schuld einerseits, andererseits auch Bindewörter wie aber, leider, trotz, trotzdem jedoch, unglücklicherweise, bedauerlicherweise, schade sind alles Ausdrücke, die einen negativen Bezug in sich tragen. Solche Wörter sind in Arbeitszeugnissen fast immer tabu.

ZEUGNISCODE

Der Artikel über Arbeitszeugnis basiert auf dem Artikel Arbeitszeugnis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation

 

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